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 Vor 100 Jahren: Der MondAus der Sicht von "Meyers Großes Konversations-Lexikon 1905-1909" (insg. 28 Seiten!!, hier etwas gekürzt):
Mond (lat. Luna;), der unsrer Erde am nächsten stehende Himmelskörper, läuft in einer mittlern Entfernung von 384,750 km = 60,274 Erdhalbmessern in Zeit von 27 Tagen 7 Stunden 43 Min. 11,5 Sek. um die Erde, indem er dabei gleichzeitig an der Bewegung der letztern um die Sonne teilnimmt.
Seine mittlere tägliche Bewegung in Länge beträgt 13°10´ 35,03´´. Seine wahre Bahn im Weltraum ist daher eine teilweise innerhalb, teilweise außerhalb der Erdbahn liegende Epizykloide, die der Sonne immer die hohle Seite zukehrt. Da die Exzentrizität seiner Bahn 0,05491 ist, so schwankt sein Abstand von der Erde zwischen 405,850 und 363,640 km. (...)
Zur Erklärung der merkwürdigen Erscheinung, daß Rotations- und Umlaufszeit übereinstimmen, hat George Darwin folgende Hypothese aufgestellt. Wenn der M. anfänglich seine in der Richtung von W. nach O. vor sich gehende Rotation in kürzerer Zeit als seinen Umlauf um die Erde vollendet hat und wenn derselbe teilweise mit einer flüssigen Hülle bedeckt war, so wird in dieser durch die Anziehung der Erde auf der dieser zugewendeten, wie auf der abgewendeten Seite eine Flutwelle erregt sein, die zweimal in Zeit einer Rotation um den Weltkörper gelaufen ist.
Indem sie hierbei gegen die Ostseiten der festen Teile seiner Hülle (der Festländer) stieß, setzte sie der Rotation einen Wiederstand entgegen und verlangsamte dieselbe, bis endlich die Rotationszeit mit der Umlaufszeit zusammenfiel. Ist dieser Zustand erreicht, so findet, sofern dann überhaupt noch eine flüssige Bedeckung vorhanden ist, kein Wechsel von Ebbe und Flut mehr statt, sondern es besteht bloß auf der dem Zentralkörper zugekehrten und auf der entgegengesetzten Seite eine Erhöhung und in 90° Abstand von diesen Punkten eine beständige Depression.
Größe und Gestalt. Phasen.
In mittlerer Entfernung erscheint uns der M. als eine Scheibe von 31´ 5,8´´ Durchmesser, der wahre Durchmesser beträgt daher 0,273 Äquatorialdurchmesser der Erde = 3480 km. Das Volumen des Mondes ist = 1/49,5 des Volumens der Erde, seine Masse = 1/81,45 der Masse der Erde, seine mittlere Dichtigkeit stellt sich auf 0,62 der Dichte der Erde oder 3,4 der des Wassers, etwa der des Granats entsprechend.
Im Gegensatz zu den andern schnell rotierenden Himmelskörpern hat der M. die Gestalt eines dreiachsigen Ellipsoids; er ist an den Polen abgeplattet, außerdem ist aber auch die auf die Erde zu gerichtete Achse (a) infolge der Anziehung der Erde länger als die darauf senkrechte Äquatorachse (b), die wieder größer ist als die Polarachse (c). Aus den Schwankungen der Achse c, der physischen Libration des Mondes, hat man das folgende Größenverhältnis der drei Achsen abgeleitet:
a : b : c = 1,0003 : 1 : 0,9997.
Der Unterschied der drei Achsen beträgt daher nur 1-2 km. Diese Größe der Verlängerung der Mondgestalt gegen die Erde hin, die ein Ergebnis der durch die Erdanziehung auf dem M. erzeugten Flutwellen bildet, wird aber auch durch die Gezeitentheorie bestätigt; Hansen dagegen hatte aus gewissen Anomalien der Mondbewegung geschlossen, daß der Mondmittelpunkt der Erde um 59 km näher sei als der Mondschwerpunkt, und Gussew hatte aus der Ausmessung von zwei Mondphotographien von Warren de la Rue die Verlängerung des Mondradius nach der Erde zu 5,5 Proz. im Mittel berechnet.
Franz hat die Unhaltbarkeit dieser Annahme nachgewiesen und durch Ausmessung von fünf Photographien des Mondes von der Lick-Sternwarte das Größenverhältnis des Monddurchmessers bestimmt und gefunden, daß sich für die Verlängerung des Mondes gegen die Erde der geringe Betrag von 2 km im Mittel ergibt, also ein Wert, der mit dem aus der physischen Libration und dem der Gezeitentheorie abgeleiteten übereinstimmt. 1° des Mondäquators beträgt 30,4 km und wird von der Erde unter einem Winkel von 16,6´´ gesehen. (...)
Anblick des Himmels vom Mond aus.
Da wir die Bewegung des Mondes genau kennen, so läßt sich auch angeben, wie sich für einen fingierten Standpunkt auf dem M. der Anblick des Himmels gestalten werde, wobei wir noch die Abwesenheit einer atmosphärischen Hülle auf dem M. als bekannt voraussetzen wollen. Denken wir uns zunächst einen Beobachter auf der Mitte der von der Erde stets abgewendeten Seite des Mondes, wenn es dort gerade Mitternacht ist, so wird derselbe den Himmel mit allen Gestirnen ganz so sehen, wie er uns auf der Erde erscheint, auch die Planeten, abgesehen von geringen Verschiedenheiten im scheinbaren Orte, die uns jetzt nicht weiter beschäftigen sollen.
Die Dunkelheit des ganzen schwarzen Himmels ist vielleicht keine vollkommene, da das Gesamtlicht der Gestirne dort wegen der Abwesenheit einer lichtschwächenden Atmosphäre größer sein muß. Deshalb erscheinen auch die Sterne am Horizont wie im Zenit in demselben Glanz. Im O. wird die Stelle des Sonnenaufganges einige Zeit vor demselben angedeutet durch einen hellen Lichtglanz, die Corona der Sonne.
Bald tritt in ungeschwächtem Lichte der oberste Rand der letztern am Horizont hervor, und je mehr sie sich hebt, desto mehr beschränkt sich die Sichtbarkeit der Milchstraße und der kleinsten Sterne, die auf der Erde wegen der Dämmerung zu schwinden beginnen, lange bevor die Sonne sichtbar wird. Aber auch wenn die ganze Sonnenscheibe oberhalb des Horizontes steht, sind wahrscheinlich die größern Gestirne auch am Tage am schwarzen Himmel sichtbar. (...)
Mondatmosphäre. Verschiedene ältere Mondbeobachter, von Hevel bis herab auf Schröter, haben dem M. eine Atmosphäre zugeschrieben, andre, wie W. Herschel, haben dieselbe in Abrede gestellt, und diese Ansicht hat in der Hauptsache den Sieg davongetragen. Besäße nämlich der M. eine das Licht brechende Atmosphäre, so müßte uns ein Stern noch sichtbar sein, wenn er bereits hinter dem M. steht, gerade so wie wir auch die Sterne infolge der atmosphärischen Strahlenbrechung noch sehen, wenn sie sich bereits ein Stück unter dem Horizont befinden. Der aus der Dauer einer
Sternbedeckung abgeleitete Durchmesser des Mondes müßte daher kleiner sein als der durch direkte Messung bestimmte. Da sich nun kein derartiger Unterschied er gab, so schloß Bessel, daß der M. keine Atmosphäre besitze, deren Dichte den 900. Teil der unsrigen übersteigt. Neuere Untersuchungen haben diesen Grenzwert allerdings auf 1/300 erhöht, doch ist sicher, daß die Mondatmosphäre, wenn eine solche existiert, nur eine sehr geringe Dichte besitzen kann, daß also auch beträchtliche Ansammlungen von Wasser auf dem M. nicht existieren können, weil dieses verdunsten und in die Atmosphäre übergehen würde. Dagegen wurde das Vorkommen von Eis auf dem M. möglich sein. Mondkarten und Mondlandschaften.
Als Galilei das eben erst erfundene Fernrohr 1610 auf den M. richtete, erkannte er die Unebenheiten seiner Oberfläche, die Schatten der Gebirge, und wagte Vermutungen über die Höhe derselben. Gleiche Wahrnehmungen machten andre Beobachter, und schon um die Mitte des 17. Jahrh. gab es Mondkarten, unter denen jedoch nur die zahlreichen Abbildungen Hevels (1647) einen für die damalige Zeit erheblichen Wert beanspruchen können, wenn auch alles nur nach dem Augenmaß verzeichnet wurde. Noch vor der Mitte des 18. Jahrh. aber stellte Tob. Mayer in Göttingen zuerst die Lage verschiedener Hauptpunkte des Mondes durch wirkliche Messungen fest und brachte eine zwar kleine, aber sehr genaue Mondkarte zustande, die 1775 durch Lichtenberg veröffentlicht wurde. Mayer ist daher als der Begründer der wissenschaftlichen Selenographie zu betrachten. Seit 1784 begann Schröter in Lilienthal bei Bremen mit Hilfe großer Spiegelteleskope seine Mondstudien und leistete in der Spezialbeobachtung vieler Mondlandschaften bei wechselnder Beleuchtung für seine Zeit Bedeutendes. Diese Arbeiten werden jedoch bei weitem übertroffen von Schmidts auf langjährigen eignen Beobachtungen in Bonn, Olmütz und Athen beruhender »Karte der Gebirge des Mondes nach eignen Beobachtungen in den Jahren 1840-1874« (Berl. 1878) in 25 Blättern, nebst einem Erläuterungsband. über 2000 Originalzeichnungen, zumeist nach Aufnahmen am Athener Refraktor, lieferten das Material zu dieser Darstellung, die den M. im Maßstab 1: 1,783,200 als Scheibe von 2 m Durchmesser zeigt. In neuerer Zeit haben besonders Weinek und Krieger eine große Reihe vortrefflicher Zeichnungen von Mondlandschaften geliefert.
Plastische Darstellungen der Mondoberfläche haben Russel, Witte, Dickertsund in neuester Zeit Lade (»Relief- Mondglobus«, Berl. 1897) und Stuyvaert ausgeführt. Photographische Aufnahmen sind bereits von Warren de la Rue und Rutherford gemacht worden, in neuester Zeit aber in erheblich größerer Vollkommenheit ganz besonders auf der Sternwarte in Paris von Loewy und Puiseux (»Atlas photographique de la lune«, Par. 1897 ff., bisher 7 Lfgn. mit Tafeln) und auf der Lick-Sternwarte in Kalifornien (»Lick Observatory Atlas of the moon«, San Francisco 1896), die bei mehrfacher Vergrößerung eine ungeahnte Menge von außerordentlich seinen Details erkennen lassen. Weineks »Photographischer Mondatlas« (Prag 1897-1900) gibt auf 200 Tafeln Vergrößerungen der Aufnahmen der Lick-Sternwarte im Maßstab eines Monddurchmessers von 10 Fuß.
Durchschnittsniveau des Mondes nach J. Franz.
Von kleinern Dimensionen sind die Ringgebirge, deren Durchmesser 10-40 km beträgt. Sie sind regelmäßig gebaut, von einem kreisrunden, nach innen steiler als nach außen abfallenden Wall umschlossen, der auf der innern Seite oft zwei- oder dreimal so hoch ist als auf der äußern; in der Mitte erhebt sich oft ein steiler Berg, der aber nicht die Höhe des Walles erreicht. Bei einzelnen Ringgebirgen treten auch mehrere Zentralberge auf. Merkwürdig ist das paarweise Vorkommen von Ringgebirgen, die in Form und Größe auffallend übereinstimmen. Krater sind kreisförmige Berge von 1-20 km Durchmesser, die zu mäßiger Höhe ansteigen und nach innen meist sehr steil abfallen.
Sie gehören zu den hellsten Objekten auf dem M., und ihre Zahl ist außerordentlich groß. Namentlich sind die kleinen Krater von 1-8 km Durchmesser in unzähliger Menge überall, an den Abhängen der Ringgebirge wie auf den Ebenen, zerstreut; oft sind auch zahlreiche Krater in langer Linie aneinander gereiht, so daß ihre Wälle sich berühren. Gruben oder Kratergruben nennt man Vertiefungen ohne sichtbaren Wall und meist von geringer Tiefe, daher sie bald, weil ihr Boden von den Strahlen der Sonne erreicht wird, unsichtbar werden. Sie kommen in großer Zahl, oft kettenartig, vor.
Eine andre merkwürdige Erscheinung auf dem M. sind die sogen. Rillen oder Lichtadern. Mit diesem Namen bezeichnete man grabenartige Furchen, die bis 500 km lang, sehr schmal (höchstens 1 km breit), nach innen mäßig steil, oft ganz geradlinig, mitunter flach oder wellenförmig gekrümmt sind. Solche Rillen finden sich überall auf dem M., doch sehr selten in der Mitte der großen Ebenen, auffallend häufig dagegen am Rande derselben und diesem parallel laufend. Sie durchbrechen Berge und Kraterwälle, durchziehen Krater auch wohl mit eignenWällen, wie im Hyginus (Tafel III), setzen an Bergen aus, um auf der gegenüberliegenden Seite wieder aufzutreten, und bilden mitunter den Übergang zu gewöhnlichen Tälern. Schröter entdeckte die ersten; Lohrmann und Mädler brachten ihre Zahl auf ungefähr 100. Der im J. 1866 von Schmidt publizierte Katalog zählt über 400 Rillen auf. Sie gehören meistens zu den schwierig erkennbaren Objekten.
Mare u. Strahlensysteme
Die grauen, auch dem unbewaffneten Auge gut sichtbaren Flecke auf dem M. sind Ebenen, die man früher für Meere hielt, und die daher den Namen Mare noch jetzt führen. Ihre Farbe wechselt vom tiefen Grau bis zum Grün und Braun, stellenweise vielleicht bis zum Violett und wird ebenso wie ihre Begrenzung am besten bei hoher Beleuchtung gesehen. Die sehr dunkle stahlblaue Farbe auf grauem Grund ist mehr einzelnen Ringflächen mittlerer Größe eigen. Im Schickard und Mare Humboldtianum ist die innere Ringfläche bunt gezeichnet im Grau der Ebene; aber im Plato, Grimaldi, Krüger, Billy, Apollonius ist die ganze Ebene grau. Sehr dunkle und ziemlich scharf begrenzte Flecke auf hellem Boden findet man im Alphonsus, Petavius, Wilhelm Humboldt, Atlas.
Zu Gruppen vereinigt, bald in Kratertiefen, bald in Tälern, findet man bedeutende graue Flecke im Süden des Mare crisium, und das Mare australe scheint nur aus solchen Flecken zu bestehen. Die großen grauen Ebenen heißen: Oceanus procellarum, Mare imbrium, Mare nubium, und diese, zusammenhängend, gehören der Ostseite der Mondscheibe an. Westlich vom mittlern Meridian liegen die großen, ebenfalls miteinander verbundenen. Mare serenitatis, M. tranquillitatis, M. foecunditatis. Mehr oder weniger isoliert und kleiner sind. Mare crisium, M. Humboldtianum, M. Smythii, M australe, M. frigoris, M. vaporum und M. humorum.
Alle diese Ebenen sind verhältnismäßig arm an Kratern und größern Gebirgen, von denen die letztern oft die schroffen Grenzen der Mare bilden. Häufig sind in ihnen die Bergadern und besonders auffällig zahlreiche Lichtflecke. Diese, des dunkeln Grundes wegen gut sichtbar, gehören zwar in den meisten Fällen Bergen und Kratern an; oft jedoch ist an ihrem Ort keine Unebenheit vorhanden.
In besonderer Großartigkeit zeigen sich aber die Strahlensysteme in den Maren, wo sie des Kontrastes wegen viel besser als im hellen Berg- und Hügelland erkannt werden. Ihren Anfang bezeichnen große Kratergebirge, von denen sie radienartig, bald geradlinig, bald wenig gekrümmt, nach allen Richtungen Hunderte von Kilometern weit auslaufen, gelegentlich auch mit Hügel- und Bergzügen zusammenfallend, die zufällig dieselbe Richtung haben. Alle diese Lichtstreifen sind nur bei hoher Beleuchtung gut sichtbar und verschwinden an der Phase, wo an ihrem Ort niemals ein Schatten gesehen wird. Sie sind also weder Erhöhungen noch Vertiefungen und ziehen durch alle Tiefen und über alle Höhen hinweg, ohne ihre Richtung zu ändern.
Es sind also Teile der Oberfläche des Mondes, die lebhafter Licht reflektieren als ihre Nachbarschaft, und wahrscheinlich Abflüsse von Quellen, die durch Ablagerung ihres Kalkgehalts ihre Spuren hinterlassen haben, ehe die vulkanischen Eruptionen auf dem M. ihr Ende erreicht hatten. Das größte Hauptstrahlensystem ist das des Tycho; ziemlich hervortretend sind ferner die des Kepler, Kopernikus und Aristarch; weniger deutlich die des Olbers, Byrgius, Zuchius, Anaxagoras, Aristyllus, Dionysius, Proclus und Langrenus. Die unvollkommenen Formen mitgerechnet, kennt man über 30 solcher Systeme. Die Benennung der ringförmigen Bergbildungen nach hervorragenden Gelehrten rührt im wesentlichen von Riccioli her, der sie 1651 in seinem »Neuen Almagest« gab; einige neuere Namen rühren von Mädler und Schmidt her; (...)
Ist der Mond aktiv?
Viel bestritten ist die Frage, ob noch gegenwärtig Veränderungen auf dem M. vorgehen, wie insbes. Schröter und Gruithuisen solche in großem Maßstabe beobachtet haben wollen. Zunächst ist hier daran zu erinnern, daß man mit der Benennung »Krater« nicht die Vorstellung von einer noch jetzt fortdauernden vulkanischen Tätigkeit auf dem M. zu verbinden hat, daß vielmehr jener Name nur auf äußere Formähnlichkeit sich stützt. Während man nun früher in Ermangelung ausführlicher topographischer Arbeiten die Frage, ob Neubildungen auf dem M. stattfinden, kaum zuverlässig beantworten konnte, hat man sich seit den sorgfältigen Beobachtungen von Beer und Mädler gewöhnt, sie zu verneinen und ältere gegenteilige Wahrnehmungen als auf Täuschung beruhend anzusehen.
Doch haben einige Beobachtungen der Neuzeit wieder Zweifel an der Richtigkeit dieser Ansicht wachgerufen. Dahin gehört namentlich das Verschwinden des 9 km im Durchmesser haltenden, sehr tiefen Kraters Linné im Mare serenitatis, an dessen Stelle ein heller, wolkenartiger Fleck getreten ist, wie Schmidt in Athen 1866 konstatiert hat. Umgekehrt haben Klein und Krieger Neubildungen von Kratern zu konstatieren geglaubt, indem sie solche an Stellen entdeckten, die früher von andern Beobachtern, zum Teil auch von ihnen selbst sorgfältig durchforscht worden waren.
Wenn auch die Möglichkeit, daß noch gegenwärtig Veränderungen auf der uns zugewendeten Seite des Mondes vor sich gehen, nicht unbedingt in Abrede gestellt werden kann, so sind solche doch durch die bisherigen Beobachtungen nicht zweifellos erwiesen; denn die Auffindung kleiner Objekte, die von frühern Beobachtern nicht bemerkt worden sind, beweist nichts. Auch hier scheint die Photographie berufen, eine sichere Entscheidung herbeizuführen.
Volks- und Aberglaube
Schon seit den ältesten Zeiten wird dem M. ein Einfluß auf das Wetter zugeschrieben, doch sind die meisten Lehren darüber nur aus zufälligen Beobachtungen abgeleitet und verallgemeinert worden. Besonders verbreitet war und ist dieser Aberglaube unter den Landleuten und Gärtnern. Am häufigsten hört man die Meinungen, daß »der M. die Wolken vertreibt«, daß »beim Mondwechsel auch Wetterwechsel eintritt«, und daß »der Mondschein den Pflanzen schade«.
Die ersten beiden Sprüche sind durch vieljährige sorgfältige Beobachtungen einwandsfrei widerlegt; der Glaube von der wolkenverzehrenden Kraft des Mondes ist dadurch entstanden, daß man das Sichtbarwerden des Mondes nach schlechtem Wetter ihm als Wirkung zuschrieb, während er umgekehrt erst gesehen werden kann, wenn die Wolken infolge der Witterungsänderung (besonders Windwechsel) sich auflösen. Ebenso wird nicht der Mondschein den Pflanzen gefährlich, sondern die nur bei wolkenlosen, also mondscheinklaren Nächten mögliche Ausstrahlung (Nachtfrost) - eine Verwechselung von Ursache und Folge.
Bei dem häufig zitierten Wort Lichtenbergs, »der M. sollte zwar keinen Einfluß auf das Wetter haben, er hat aber einen«, ist er selbst den Beweis schuldig geblieben. Abgesehen von einigen positiven Ergebnissen hinsichtlich des Luftdruckes (s. Atmosphärische Ebbe und Flut) sind die sonstigen Untersuchungen über den Einfluß des Mondes auf das Wetter noch sehr fraglich, und die Resultate widersprechen sich meist. Eine Prognose darauf zu gründen, ist jetzt noch ganz aussichtslos und nur täuschend.
Im Volksglauben spielt der M. noch heute eine große Rolle. Dem M. ist Ehrfurcht zu zollen, bei Mondschein darf man nicht arbeiten, besonders nicht spinnen, auch nicht tanzen. Der Mondwechsel wird beim Feld- und Gartenbau, bei den meisten Kuren, beim Haarschneiden, Häuserbauen, bei Hochzeiten etc. als wichtiges Bestimmungsmittel angesehen. Alles, was zunehmen soll, muß bei zunehmendem, alles, was abnehmen soll, bei abnehmendem M. geschehen.
Als feststehend gilt, daß der M. einen Einfluß auf das Leben der Pflanzen und Tiere, also auch des Menschen, besonders bei Krankheiten besitzt. Wer lange in den M. sieht, bekommt Kropf, Schwangere dürfen sich nicht vom M. bescheinen lassen, sonst wird das Kind mondsüchtig und blöde. Die Berechtigung aller dieser Meinungen ist durch nichts erwiesen.
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Bei Morgenwelt:  | Wie entstand der Mond? Was die heutige Forschung über die Entstehung von Mond und Erde weiß! |
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