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03.08.2004

Merkur: Eis in der Gluthölle



Oberfläche des Merkur in Falschfarben / Grafik: NASA

 

Erstmals seit 30 Jahren hat die amerikanische Weltraumbehörde Nasa wieder eine Raumsonde zum Planeten Merkur geschickt. Der Flug zu unserem sonnennächsten Nachbarn wird sich allerdings hinziehen.

 

Von Rainer Kayser

 

Auf den ersten Blick ist der Merkur nicht mehr als eine mit Kratern übersäte, tote Gluthölle. Doch für die Astronomen ist der innerste Planet eine geheimnisvolle Welt voll spannender Rätsel. Warum, zum Beispiel, besitzt Merkur ein Magnetfeld? Und verbirgt sich hinter den seltsamen, hellen Radarechos von den Polen des Planeten Wassereis?

Heute, am 3. August, machte sich eine amerikanische Raumsonde auf den Weg zum Merkur, um Antworten auf diese und andere Fragen zu finden. Dreieinhalb Jahre dauert der Flug der Sonde zum sonnennächsten Planeten. Dann fliegt Messenger zunächst dreimal am Merkur vorbei, bis sich die Bahn der Sonde jener des Planeten weit genug angeglichen hat, um im März 2011 das Einschwenken in eine Umlaufbahn um den Merkur zu erlauben.

Es ist erst der zweite Besuch, den der Planet von der Menschheit erhält. In den Jahren 1974 und 1975 flog die Sonde Mariner 10 ebenfalls dreimal am Merkur vorbei – ohne allerdings in  eine Umlaufbahn einzuschwenken - und fotografierte dabei knapp die Hälfte der Planetenoberfläche. Entsprechend lückenhaft sind auch heute noch die Kenntnisse der Astronomen über den sonnennächsten Planeten.

Merkur ist eine kleine Welt: Mit einem Durchmesser von knapp 4900 Kilometern ist er nach Pluto der zweitkleinste Planet des Sonnensystems. In der glühenden Strahlung der nahen Sonne - der Abstand des Merkur von der Sonne beträgt mit 58 Millionen Kilometern nur etwa ein Drittel der Entfernung Erde-Sonne - heizt sich die Oberfläche des Planeten tagsüber auf über 400 Grad auf. Doch keine schützende Atmosphäre hält die glühende Hitze fest: Nachts kühlt der Merkurboden auf unter minus 200 Grad ab.  

Da der Merkur erheblich kleiner als die Erde ist, sollte sein Inneres – ähnlich wie beim Erdmond und beim Mars - bereits erkaltet und fest geworden sein. Umso überraschter waren die Forscher, als Mariner 10 ein Magnetfeld um den Planeten nachwies. Die Stärke des Merkur-Magnetfelds beträgt zwar nur ein Prozent des irdischen Magnetfelds, doch es ähnelt mit seiner bipolaren Struktur - also einem Nord- und einem Südpol wie bei einem Stabmagneten - dem der Erde und ist so ein Indiz für die Existenz eines flüssigen Metallkerns im Inneren des Merkur.

Auf ein anderes Rätsel stießen die Astronomen 1991, als sie den Merkur erstmals von der Erde aus mit Radarstrahlen abtasteten. Die großen Krater an den Polen des Merkur reflektierten die Strahlung ungewöhnlich gut und zeigten sich daher als helle Flecken auf den Radarkarten. Die starke Reflektion sprach für eine Substanz, die die Planetenforscher in der Gluthölle des Merkur als letztes erwartet hatten: Wassereis.

Im Gegensatz zur Erde steht die Rotationsachse des Merkur fast exakt senkrecht auf seiner Bahnebene. Dadurch gibt es auf dem sonnennächsten Planeten keine Jahreszeiten wie auf der Erde, bei denen mal der Nord-, mal der Südpol stärker der Sonnenstrahlung ausgesetzt ist. Die Sonne steht an den Merkurpolen also stets am Horizont, die Kraterwände werfen lange Schatten - und so liegt das Innere vieler Krater in ewiger Dunkelheit und Kälte.

Einfallende Meteoriten und Kometen könnten über die Jahrmilliarden Wasser zum Merkur transportiert haben, das sich in diesen vor dem Sonnenlicht geschützten Regionen niederschlagen und gefrieren konnte. Ähnliche Regionen, in denen Wassereis vermutet wird, finden sich auch an den Polen des Erdmonds. Messenger ist mit mehreren Detektoren ausgestattet, mit denen die Sonde die chemische Beschaffenheit des Merkurbodens untersuchen soll. Damit ließe sich auch Wasser auf oder nahe der Oberfläche nachweisen.

 

 

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