Gleich und Gleich gesellt sich gern



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Je ähnlicher sich zwei Menschen sind, desto  besser sind die Aussichten auf eine erfolgreiche Beziehung... Stimmt das?

 

Von Bas Kast

 

Früher oder später erhebt das konkurrierende Gesetz der Partnerschaftspsychologie sein Haupt, nämlich: Gleich und Gleich gesellt sich gern.

Wie dieses Gesetz im Laufe einer Beziehung an Bedeutung gewinnen könnte, beleuchtet eine Studie von Psychologen der Universität von Texas in Austin. Sie verglichen Partner, die im Schnitt erst seit einem Jahr zusammen waren, mit einer Gruppe von länger verheirateten Ehepaaren. Dabei sah man sich an, wie sehr sich die Partner glichen, physisch und psychisch.

Es zeigte sich: Die frisch verliebten Paare ähnelten sich vor allem in körperlicher Hinsicht, insbesondere waren sie in etwa gleich attraktiv.

Als es dagegen zu Eigenschaften, wie der Intelligenz, das Fantasievermögen oder der allgemeinen Zufriedenheit mit dem Leben kam, taten sich plötzlich große Unterschiede auf. Charakterlich waren die Partner, die noch nicht allzu lange zusammen waren, oft sehr verschieden.

Wie lässt sich dieser Befund deuten? Erstens könnte er dafür sprechen, dass sich – vorausgesetzt, das Körperliche stimmt – Gegensätze anziehen. Vermutlich aber ist die wahre Erklärung viel einfacher.

Im Rausch der Leidenschaft sind wir schlicht blind gegenüber vielen der inneren Werte. Die Leidenschaft hat in erster Linie körperliche Attraktivität im Sinn. Sie hat einen simplen Auftrag: Nach einem ersten Partnercheck soll sie zwei Menschen aneinander binden. Während dieser Zeit können wir genauer prüfen, ob wir auch im Alltag zusammenpassen.

In diese Richtung geht auch der Schluss der texanischen Forscher. Auf Grund der Ergebnisse bekamen sie den Eindruck, dass zu Beginn einer Beziehung das Aussehen beinahe das Ein und Alles ist, "als sei sonst nichts von Bedeutung".

Doch das Äußere allein genügt auf Dauer nicht, wie ein Blick auf die Ehepaare, die durchschnittlich seit sieben Jahren zusammen waren, nahe legt. Zwar glichen auch sie sich in körperlicher Hinsicht, wenn nicht ganz so stark wie die Kurzzeitpaare. Dafür waren sie sich umso ähnlicher, was ihre Persönlichkeit betrifft.

Das heißt: Im ersten Moment mögen Gegensätze sich tolerieren, vielleicht sogar anziehen. Sobald sich zwei Menschen jedoch näher kennen lernen, stellen sie häufig fest, dass die Unterschiede zu groß sind – und lösen die Beziehung auf.

Natürlich gleicht man sich nie ganz, und das muss auch nicht sein. Liebe besteht eben auch darin, die Unterschiede, die es immer geben wird, zu akzeptieren, wie wir in Kapitel 7 noch ausführlicher sehen werden. Die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Partnerschaft aber, darauf deuten zumindest viele Studien, sind dann am größten, wenn ein Paar sich in möglichst vielen Dingen ähnlich ist.

Wie aber erklärt sich die Übereinstimmung, die die texanischen Forscher bei den Ehepaaren vorfanden? Glichen sie sich von Anfang an? Oder wurden sie sich erst im Laufe der Jahre ähnlich? Zwei Menschen, könnte man meinen, die sich wirklich lieben, ändern sich mit der Zeit, passen sich ihrem Partner an. Alle, die das nicht schaffen, trennen sich dagegen bald wieder.

Vermutlich spielt die Fähigkeit, sich anzupassen, bis zu einem gewissen Grad eine Rolle, nicht aber die entscheidende. Unser Charakter erweist sich nämlich als relativ stabil. Freilich können wir einzelne Verhaltenweisen, die wir an uns nicht mögen, verändern, auch wenn uns das oft viel Mühe kostet. Komplexe Eigenschaften jedoch, wie Intelligenz, Zufriedenheit mit dem Leben oder Fantasievermögen, lassen sich nicht einfach an einen Partner anpassen, sogar nicht einmal aus Liebe.

Das heißt nicht, dass unsere Persönlichkeit vollkommen in den Händen der Gene liegt. Unser IQ etwa wird ja auch von den Erfahrungen, die wir in der Kindheit und Jugend machen, bestimmt. Im Erwachsenenalter aber verwandelt sich ein ausgesprochener Dummkopf für gewöhnlich nicht mehr in einen großen Denker.

Viele Untersuchungen sprechen eher dafür, dass sich Paare, die zusammen bleiben, bereits zu Beginn ihrer Beziehung in vielen Dingen ähneln.

Beispiel Intelligenz: In einer Langzeitstudie an 1866 Ehepartnern konnten Wissenschaftler nachweisen, dass zwei Menschen, die sich das Ja-Wort gaben, oft schon im Schulalter ähnliche Ergebnisse in IQ-Tests erreicht hatten. Zick Rubin, ein Psychologe der Harvard-Universität in Cambridge, Massachusetts, der zu den Pionieren der Liebesforschung gehört, hat das Schicksal von 231 jungen Paaren über einen Zeitraum von zwei Jahren beobachtet. Am Ende der Beobachtungszeit lebten 103 Paare getrennt. Warum?

Differenzen hatten sie auseinander getrieben. Die gescheiterten Partner glichen sich von Anfang an weniger als die, die nach zwei Jahren noch zusammen waren. Das betraf einerseits das Alter, die Ausbildung und den IQ. Vor allem aber unterschieden sie sich in ihren Wertevorstellungen und ihrer Persönlichkeit. Die glücklichen Paare zeigten dagegen durchweg größere Gemeinsamkeiten, das ging bis hin zur Neigung, ob man eher romantisch veranlagt war oder nicht.

Dauerpaare gleichen sich häufig bis aufs Haar. Sie ähneln sich nicht nur hinsichtlich ihrer Intelligenz, ihren Charaktereigenschaften und ihrer körperlichen Attraktivität. Auch was die Interessen und Vorlieben betrifft, ob sie rauchen, ob sie trinken, welche Religion sie haben, ob sie groß oder klein, dick oder dünn sind – immer, wenn Wissenschaftler ausziehen, Ehepaare zu vergleichen, treffen sie auf die Regel, nach der wir am besten mit den Menschen auskommen, die bis in die Einzelheiten unser Spiegelbild sind.

Es scheint sogar kaum ein Gesetz der Partnerschaftspsychologie zu geben, für welche die Beweislage so eindeutig ausfällt, wie der US-Forscher David Buss in einer Zusammenfassung der Befunde festgestellt hat. Liebespaare können offenbar jede noch so kleine Differenz, die es zwischen ihnen gibt, auf Dauer nicht ertragen, von einem einzigen Unterschied abgesehen: dem Geschlecht.

 

weiter: Was uns glücklich macht

 

 

 

Bas Kast


geboren 1973, studierte Psychologie und Biologie in Konstanz, Bochum und am MIT in Boston. Er arbeitet als Wissenschaftsredakteur beim "Tagesspiegel" in Berlin.  

 


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