Was uns glücklich macht:



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Oft werden die großen Gefühle unter ganz ähnlichen Umständen hervorgerufen! Begehren erwacht vor allem dann, wenn wir das Gefühl haben, selbst begehrt zu werden.

 

Von Bas Kast

 

Die Leidenschaft sucht große Gefühle. Ihre erste Sehnsucht ist äußere Attraktivität, und sie nimmt, was das betrifft, eine strenge Prüfung vor. Ansonsten ist sie blind, besser gesagt: kurzsichtig
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Es ist ihr nicht so wichtig, ob jemand uns ähnelt oder nicht, abgesehen davon, dass es Zeit braucht, das herauszufinden. Unterschiedliche Charaktereigenschaften werden in Kauf genommen, ja, diese können sogar spannend sein. Sie erweitern unser Selbst. Nie wissen wir genau, was der andere vorhat, was er als Nächstes tun wird, eben weil er so anders ist als wir. Diese Unsicherheit facht das Feuer der Leidenschaft nur noch stärker an.

Die Liebe ist wählerischer. Sie ist alles andere als blind. Sie prüft genau. Dafür nimmt sie sich Zeit. Sie will mehr als aufregende Gefühle. Sie will Sicherheit, und das heißt letztlich auch: Ähnlichkeit. Denn je ähnlicher ein Mensch uns ist, umso leichter fällt es uns, ihn zu verstehen und sein Verhalten vorherzusagen
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Damit lässt sich der Widerspruch so mancher »fatal attraction« auflösen. Weil die Leidenschaft nicht so kritisch wie die Liebe ist und zum Teil anders tickt, kann es vorkommen, dass wir anfangs vom Fremden fasziniert sind, es steigert den Reiz. Später aber, im Alltag, schlägt dieser Reiz ins Gegenteil um, in Irritation und Streit. Im Extremfall führt er zur Trennung.

Menschen dagegen, die sich gleichen, verstehen sich nicht nur besser, sie bestätigen sich auch gegenseitig, ähneln sich in ihrem Weltbild, in ihrer Sicht auf die Dinge, in ihren Werten, in den Zielen, die sie im Leben verwirklichen wollen. Im Rausch der Leidenschaft sehen wir diese Ziele nicht. Im Laufe der Liebe aber bekommen sie Gewicht.

Emotional ergänzen sich zwei Menschen also gerade dann gut, wenn sie sich gleichen. Denn jeder von uns sucht nach Bestätigung und findet sie vor allem in seinesgleichen. Es ist angenehm, wenn ein anderer unsere Meinungen, Wünsche und Vorstellungen teilt, es gibt ein Gefühl der Geborgenheit. Nicht umsonst ähneln uns auch unsere besten Freunde oft bis in die Details.

Nicht umsonst sucht die überwiegende Mehrheit der Menschen für eine dauerhafte Beziehung von Beginn an einen Partner, der ihnen ähnlich ist. (Am Ende bleiben dann immer noch genügend Unterschiede. Erst in der Übereinstimmung lässt sich die Andersartigkeit wunderbar entdecken). Einen Nachweis dafür erbrachten die zwei US-Psychologen Peter Buston und Stephen Emlen. Welche Eigenschaften wir uns für unseren Traumpartner wünschen, fanden die Forscher heraus, lässt sich leicht vorhersagen – man braucht uns nur zu fragen, wo wir unsere eigenen Stärken sehen.

Beispiel: Was wollen Frauen, die sich selbst für besonders treu halten? Treue Männer. Was suchen Männer, die sich als gute Väter sehen? Sie wünschen sich nichts so sehr wie Frauen mit Familiensinn. Diese Sehnsucht nach einem wesensverwandten Partner erstreckte sich auf jede Eigenschaft, die sich die Wissenschaftler ansahen. Besonders ehrgeizige Menschen wollten besonders ehrgeizige Partner, Reiche sehnten sich nach Reichen, Schöne suchten Schöne.

Und dabei handelt es sich um eine durchaus vernünftige Suchstrategie, wie auch die beiden Psychologen meinen. Denn je ähnlicher sich zwei Menschen sind, desto geringer ist das Konfliktpotenzial und desto besser sind die Aussichten auf eine erfolgreiche Beziehung.

Für diese Vermutung spricht auch eine Untersuchung an über 1000 britischen Ehepartnern. Als Psychologen den Paaren mit 42 verschiedenen Tests auf den Leib rückten, zeigte sich: Je mehr sich die Partner glichen, desto glücklicher waren sie mit ihrer Ehe.

 

 

 

 

 

Bas Kast


geboren 1973, studierte Psychologie und Biologie in Konstanz, Bochum und am MIT in Boston. Er arbeitet als Wissenschaftsredakteur beim "Tagesspiegel" in Berlin.  

 


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