 Eckiges Wasser und neue Laborchips
Beim 17. EU-Wettbewerb für junge Wissenschaftler in Moskau gehörten deutsche Jungforscher zu den erfolgreichsten in Europa.
Von Jan Oliver Löfken
Mit einem ersten und einem zweiten Platz schnitten Schüler aus Bayern und Nordrhein-Westfalen mit ihren anspruchsvollen Forschungsprojekten erfolgreich beim 17. EU-Wettbewerb für junge Wissenschaftler in Moskau ab. Damit setzten sie sich gegen 77 weitere Projekt von Schülern aus 35 Ländern durch. Die Siegerteams gewannen Preisgelder von 3000 und 5000 Euro sowie Reisestipendien zu der Nobelpreisverleihung in Stockholm.
Renate Landig (19) vom Störck-Gymnasium in Bad Saulgau beobachtete zusammen mit Igor Gotlibovych (18) vom Maria-Theresia-Gymnasium in München, wie fließendes Wasser Ecken formt. Rinnt das Nass aus einem Wasserhahn auf eine glatte Oberfläche, breitet es sich nicht einfach kreisförmig aus. Es bildet vielmehr Dreiecke, Quadrate oder Vielecke, abhängig von der Stärke des Wasserstroms. Die beiden Abiturienten schauten sich dieses Wechselspiel aus Strömung, Viskosität und Oberflächenspannung genauer an. Ihr Lohn: Mit ihrer Analyse gewannen sie diese Woche einen von drei ersten Preisen. Die weiteren Spitzenpositionen nahmen Schüler aus der Schweiz und Spanien ein.
"Obwohl dieser Effekt schon bekannt ist, fanden wir nur eine einzige Studie bei unserer Literaturrecherche", sagt Renate Landig. Zusammen mit Igor Gotlibovych goss die zukünftige Physikstudentin ihre exakten Beobachtungen eines Alltagsphänomens in mathematische Formeln. Und diese beschreiben den Effekt sogar schlüssiger als die Theorie der etablierten Forscher in deren sieben Jahre alten Veröffentlichung im renommierten Magazin "Nature". "Von den Autoren haben wie bisher keine Antwort auf unsere Resultate erhalten", sagt Landig. Doch sobald die beiden Jungforscher ihre Studie veröffentlichen, werden sie kaum noch ignoriert werden können.
Neben dem europäischen Titel für eine Physikarbeit konnte sich in Moskau auch Stephen Schulz (19) mit einem Labor für die Westentasche einen zweiten Preis sichern. Sein Lab-on-Chip-System bietet eine auf Magnesium basierende, katalytische Methode, mit der Substanzen in der Pharmaentwicklung einfacher als bisher kontrolliert werden können. Hier locken höhere Ausbeuten bei der Produktion.
Dieses herausragende Abschneiden deutscher Schüler trotzt der mäßigen Beurteilung in der PISA-Studie, bei der Deutschland nur im Mittelfeld rangiert. Neben regionalen Unterschieden - Bayern findet sich im PISA-Schulvergleich in der weltweiten Spitzengruppe wieder - kann dieses Ergebnis auch als Erfolg des bundesweiten Wettbewerbs "Jugend forscht" gewertet werden. Beide Sieger-Projekte heimsten dieses Jahr Bundespreise in ihren Kategorien bzw. für ihre herausragende Originalität ein.
Eindrucksvoll zeigte sich in Moskau auch die Findigkeit der anderen europäischen Finalteilnehmer. Die Entdeckungen reichten von einer neuen Pflanzenart auf Gran Canaria (Spanien) und der effektiven Gewinnung von Wasserstoff mit Bakterien (Österreich) über einen pfiffigen, bereits patentierten Schutz gegen explodierende Handgranaten in entführten Flugzeugen (Russland) bis zu einer einfacheren Programmiersprache für Internet-Anwendungen (Irland).
"Wir wollen mit diesem Wettbewerb Wissenschaft für Europas Schüler attraktiver machen", erklärt Achilleas Mitsos von der Europäischen Kommission. "Denn viele Studien haben gezeigt, dass bei der Jugend eine Karriere in der Wissenschaft weitgehend als hart, langweilig und unattraktiv gilt." Bei der enthusiastischen Stimmung gilt das nicht für die über 120 Wettbewerbs-Teilnehmer. Nicht nur Preisgelder, Forschungsreisen oder Stipendien führen die meisten als Hauptmotivation an. Sondern die vielen, neuen internationalen Kontakte und die gemeinsame Begeisterung für Wissenschaft.
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